Viele Menschen erleben nach dem Kontaktabbruch zur narzisstischen Mutter zunächst große Erleichterung. Die akuten Konflikte hören auf, man muss sich nicht mehr ständig verletzende Sprüche anhören, der Stress lässt nach – und doch bleibt etwas zurück:
Schuldgefühle, Zweifel oder das Gefühl, innerlich immer noch mit der narzisstischen Familie verstrickt zu sein.
Wenn es dir trotz Kontaktabbruch nicht wirklich besser geht, bist du damit nicht allein. In meiner Arbeit sehe ich immer wieder, dass bestimmte Dynamiken dazu führen, dass ein Kontaktabbruch nicht zur gewünschten Befreiung führt.
Hier schauen wir uns die 5 häufigsten Gründe an, warum es dir trotz Kontaktabbruch noch nicht gut geht.
Kontaktabbruch zur Mutter erfolgeich – und trotzdem geht es dir nicht besser?
Wenn du das hier liest, bist du vielleicht eine von den zahlreichen Frauen, die nachts um 3 „Warum geht es mir trotz Kontaktabbruch nicht besser?“ googeln, weil sie deswegen mal nicht schlafen können. 😉
Der Kontaktabbruch zur narzisstischen Mutter fühlt sich zunächst wie Befreiung an, aber sobald die Glückshormone etwas abgeflacht sind, setzt oft die Feststellung ein, dass Schuldgefühle, innere Unruhe oder Zweifel bestehen bleiben bestehen.
Das liegt nicht daran, dass du mit dem Kontaktabbruch falsch entschieden hast, sondern daran, dass du beim Kontaktabbruch eine entscheidende Sache nicht mitgedacht hast: die innere Ablösung von deiner narzisstischen Familie.
Genau die ist es nämlich, die einen Kontaktabbruch wirklich befreiend macht und Schuldgefühle, Zweifel und Rückfälle den Garaus macht.
Warum Schuldgefühle nach dem Kontakt
Grund Nummer 1: Es ist gar kein wirklicher Kontaktabbruch
Im Grunde funktioniert unser Gehirn ganz simpel und folgt immer einem Reiz-Reaktions-Schema.
Dein Schema lautet ziemlich wahrscheinlich „Mutter/Eltern = Gefahr = ALARM!!!“.
Dieses Schema feuert immer dann, wenn der Reiz (= deine Mutter/Eltern) auftreten. In welcher Form, d.h. persönlich, in Erzählungen, auf Fotos etc. ist dabei völlig egal.
Wenn wir nur auf reale Reize reagieren würden, würde niemand von uns Filme schauen oder Bücher lesen, denn beides ist rein fiktiv und würde uns dann nicht berühren. Tut es aber. Auch im echten Leben.
Wenn du also immer wieder über Dritte (Geschwister, Tanten, Onkel, Nachbarn,…) mit deiner Mutter bzw. deinen Eltern konfrontiert bist oder sogar beidseitiger Informationsfluss über Dritte besteht, DANN. IST. DAS. KEIN. KONTAKTABBRUCH.
Ein Kontaktabbruch bedeutet auch Entgiftung und du kannst nicht entgiften, wenn du immer noch konsumierst. Egal wie wenig es auch sein mag.
Ein echter, befreiender Kontaktabbruch bedeutet nämlich nicht nur physische Distanz, sondern auch emotionale und informationelle Distanz.
Solange dein Nervensystem immer wieder mit Erzählungen, Bildern oder indirekten Botschaften konfrontiert wird, bleibt das alte Alarmprogramm aktiv. Und solange dein Körper noch Alarm schlägt, kann keine echte Beruhigung stattfinden.
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Grund Nummer 2: Deine Mutter hat den Kontakt abgebrochen, nicht du
„Kontaktabbruch ist Kontaktabbruch“ ist eines der größten Missverständnisse in meiner Arbeit. Bricht deine Mutter bzw. deine Eltern den Kontakt zu dir ab, ist die zugrundeliegende Dynamik fast immer Ablehnung und Bestrafung. Sie tut das in der Regel, um dir zu zeigen, dass du endlich zur Vernunft kommen sollst. Kein Wunder also, dass du dich schlecht damit fühlst, 1. kennst du das doch schon dein ganzes Leben so und es triggert Kindheitswunden und 2. wer wird schon gerne abgelehnt und bestraft?
Brichst hingegen du den Kontakt ab (auf nachhaltige Weise!) dann ist die zugrundeliegende Dynamik Grenzen Setzen, Selbstfürsorge und für dich einstehen. Beides hat das gleiche Ergebnis, aber die damit verbundenen Verstrickungen und Gefühle sind komplett andere.
Der kleine aber feine Unterschied: Wenn deine Mutter den Kontakt abbricht, fühlt sich das oft wie Ablehnung an und ist ein passives, fremdbestimmtes Ereignis. Wenn du aus eigener Motivation heraus den Kontakt abbrichst, ist es ein aktiver Akt von Selbstschutz.
Dieser Unterschied ist entscheidend dafür, ob dein Kontaktabbruch Heilung ermöglicht oder nur alte Wunden weiter aufreißt.
Grund Nummer 3: Dein Kontaktabbruch war impulsiv und ist unstrukturiert abgelaufen
Auch wenn es sehr verlockend ist, eine passende Gelegenheit beim Schopf zu packen und aus einer Situation heraus einfach mal eben den Kontakt abzubrechen, meistens ist das gar keine gute Idee.
Um einen Kontaktabbruch wirklich nachhaltig durchführen zu können, sollte man einiges beachten, vorbereiten und sich gründlich mit damit verbundenen Themen auseinandersetzen. Tut man das nicht, hat das meistens unschöne Folgen.
Einerseits kommt es oft dazu, dass die narzisstische Mutter den Kontaktabbruch nicht akzeptiert.Das hat fast immer den Grund, dass die Kommunikation nicht klar genug war. Ja, ich weiß, du bist der Ansicht, dass man sich das ja wohl denken kann. Ich habe jedoch regelmäßig Menschen bei mir sitzen, die denken, Sätze wie „Ich kann das alles nicht mehr“ oder „So geht’s nicht mehr weiter“ wären klare Kommunikation und würden ja deutlich den Kontaktabbruch signalisieren. Das stimmt leider nicht. In Wirklichkeit könntest du dich schwammiger kaum ausdrücken.
Andererseits endet ein undurchdachter Kontaktabbruch meistens darin, dass man zwar den Kontaktabbruch an sich geschafft hat, aber dafür jetzt von Schuldgefühlen und Selbstzweifeln heimgesucht wird.
Warum Schuldgefühle nach Kontaktabbruch auftreten
Schuldgefühle nach einem Kontaktabbruch entstehen häufig nicht, weil du objektiv etwas falsch gemacht hast, sondern weil du es gewohnt bist, Verantwortung für das emotionale Wohlbefinden deiner Mutter oder deiner Familie zu tragen (das nennt man Parentifizierung) und dieses Muster noch nicht aufgelöst hast.
In narzisstischen Familiensystemen wird diese Dynamik bereits als Säugling etabliert und über die Jahre weiter aufgebaut.
Der Kontaktabbruch stoppt zwar den äußeren Einfluss, aber die innere Programmierung bleibt bestehen, bis du sie aktiv auflöst, was ich z.B. mit meinen Kundinnen in meinem Programm Breaking The Chains im Rahmen der inneren Ablösung mache.
Grund Nummer 4: Dein Kontaktabbruch war in Wirklichkeit eine Trotzreaktion und du hoffst insgeheim, dass deine Eltern sich endlich ändern
Immer wieder begegnen mir in meiner Arbeit Menschen, die sich erhoffen, mit einem Kontaktabbruch ihre Eltern endlich zur Vernunft zu bewegen. Sie wünschen sich, dass diese endlich ihre Fehler einsehen, an sich arbeiten und sich ändern werden, wenn man doch schon diesen radikalen Schritt geht.
Die harte Wahrheit ist, sie werden sich nicht ändern. Weil sie nicht wollen und ihre Fehler nicht sehen oder auch weil sie nicht können, wie bei narzisstischen Müttern der Fall. Wollten oder könnten sie sich ändern, hätten sie es bereits getan.
Einen Kontaktabbruch machst du FÜR DICH. Um dich zu schützen. Um deinen Raum für Heilung zu öffnen.
Wenn deine Motivation zum Kontaktabbruch ist, deine Eltern zu manipulieren -denn nichts anderes ist dieser Wunsch-, wird dieser Versuch scheitern und du wirst dich davor, währenddessen und danach schlecht damit fühlen.
Und zur Wahrheit gehört auch: Diese Ansinnen macht dich (auch) zur toxischen Person in dieser Dynamik. Denk mal drüber nach, wie oft du nicht richtig für deine Mutter warst und du dich ändern solltest, um in ihre Welt zu passen. Das war schmerzhaft, oder? Aber genau diese Erfahrung reproduzierst du jetzt, indem du von deiner Mutter erwartest, dass sie sich ändern soll, um in deine Welt zu passen. Und abgesehen davon, dass sie das – wie schon geschrieben – nicht kann, muss sie das auch gar nicht.
So sehr dein Wunsch auch nachvollziehbar ist: Du bist jetzt erwachsen und deine Mutter nicht mehr explizit oder implizit verpflichtet, deine Erwartungen oder Bedürfnisse zu erfüllen.
Grund Nummer 5: Du denkst, dass es für deine Heilung reicht, einfach nur den Kontakt abzubrechen
Viele Menschen gehen unbewusst davon aus, dass mit dem Kontaktabbruch auch die Heilung beginnt – oder sogar abgeschlossen ist.
Das stimmt aber nicht. Ein Kontaktabbruch ist keine Therapie. Er beendet zwar die akute Belastung, löst aber nicht die alten Traumafolgen.
Der Kontaktabbruch schafft lediglich die Voraussetzung für Heilung:
Er sorgt dafür, dass dein Nervensystem nicht weiter permanent getriggert wird. Erst wenn die äußere Belastung endet, entsteht überhaupt Raum für echte Veränderung.
Aber: Raum ist nicht gleich Heilung.
Solange du deine alten Muster, Glaubenssätze und Überlebensstrategien aus deiner Kindheit nicht aktiv aufarbeitest, bleibt oft nur ein ruhigerer Überlebensmodus, aber kein freies, selbstbestimmtes Leben.
Ein Kontaktabbruch schützt dich, Heilung jedoch entsteht erst durch bewusste innere Arbeit.
Wenn du tiefer verstehen möchtest, warum ein Kontaktabbruch dich nicht automatisch heilt und weshalb Zeit allein keine Lösung ist, lies hier weiter:
„Kontaktabbruch zur narzisstischen Mutter: Warum er dich nicht automatisch heilt„
Der Kontaktabbruch ist ein Anfang - nicht das Ende
Ein Kontaktabbruch kann der wichtigste Schritt deines Lebens sein. Aber er ersetzt nicht die Aufarbeitung deiner Kindheit.
Wenn es dir trotz Kontaktabbruch nicht besser geht, bedeutet das nicht, dass der Kontaktabbruch der falsche Schritt war, sondern es zeigt dir nur, dass Heilung mehr braucht als nur Distanz.
Zusammengefasst: Warum es dir trotz Kontaktabbruch nicht besser geht
Dein Kontaktabbruch ist kein echter Kontaktabbruch
Die Dynamik ging von deinen Eltern aus, nicht von dir
Der Kontaktabbruch war impulsiv oder unstrukturiert
Du hoffst insgeheim noch auf Veränderung
Du erwartest Heilung, ohne deine Traumafolgen zu bearbeiten
Der Kontaktabbruch ist immer nur der Anfang deiner Heilungsreise, aber niemals das Ende.
Naaa, erwischt?
Falls ja: Du bist nicht alleine! Wir bekommen schließlich nicht in der Schule beigebracht, wie man einen Kontaktabbruch wirklich nachhaltig und so durchführt, dass man sich danach auch wirklich besser fühlt und auch die Gesellschaft ist mit ihrem „Aber du hast doch nur eine Familie!!!“-Gelaber meist keine große Hilfe.
Die gute Nachricht: Es gibt jetzt trotzdem eine Möglichkeit, wie du all das lernen und einen unbefriedigenden Kontaktabbruch transformieren kannst und zwar mein Programm Breaking The Chains. 8 Wochen lang gehen wir den kompletten Prozess eines nachhaltigen, befreienden Kontaktabbruches gemeinsam durch. Und das Beste: Du musst das nicht alleine machen und herausfinden, was der nächste sinnvolle Schritt oder die Lösung für die nächste aufkommende Hürde ist – das hab ich nämlich alles schon für dich gemacht und vielfach erprobt, sodass du dich ganz auf dich und deine Befreiung konzentrieren kannst. Mehr zu Breaking The Chains findest du hier.
Hi, ich bin Karina – somatische Traumatherapeutin und die Gründerin von Mutterwunde. Hier schreibe ich über alle Themen, die mich und meine Klient:innen beschäftigen.
Du bist wahrscheinlich hier, weil du selbst eine Mutterwunde hast, stimmt’s? Wenn du dir Begleitung bei der Aufarbeitung wünschst, bin ich gerne für dich da.
Lass uns gemeinsam herausfinden, wie ich dir gerade am besten helfen kann! ⤵️



